Und wie die Zeit fliegt! Wir haben es tatsächlich geschafft, nur eine Woche weg zu bleiben. Die Reise nach Cape Town war laaaaang, die BazBus Party am Samstag Abend (der Grund unserer Reise) dafür ziemlich gut. Wir haben vorher noch kurz einen ganzen Stapel Fotos gedruckt, zum einen vom Projekt, zum andern von unserem neuen Haus/Backpackers, und ich habe den ganzen Abend lang Fotos (natürlich mit Logo und Kontaktdaten drauf, sozusagen als Visitenkarten) verteilt. Von Manzamnyama haben wir Sesanda mitgenommen nach Cape Town, er war ausser in Johannesburg noch kaum weiter als bis Mthatha gekommen. Zu unserem Erstaunen hielt er sich ziemlich gut, es muss ein ziemlicher Schock gewesen sein, einfach so ins kalte Wasser geworfen zu werden und sich total unseren Gewohnheiten und unserer Lebensart anpassen zu müssen. Ich habe mir sehr Mühe gegeben, ihm immer alles zu erklären, ihm zu sagen wohin wir gehen, wen wir treffen, und warum, und wie lange es dauert, und ausserdem achtgegeben dass er immer was zu Futtern kriegt. Aidan hat ihn drei Wochen lang gratis arbeiten lassen um seine Reise "abzubezahlen", und so zog Sesanda eine Woche lang mit Aidan und mir um die Häuser, ass wenn wir assen, schlief wenn wir schliefen, und amüsierte sich prächtig an der BazBus Party.
Vielleicht schnell eine Erklärung für den Grund dieser Reise: BazBus ist die bekannteste Busgesellschaft für Rucksacktouristen in Südafrika. Der Bus bietet Tür zu Tür Service von einer Jugenherberge zur nächsten, und man kann z.B. in Capetown beim Hostel xy einsteigen und in Jeffreys Bay beim Hostel z aussteigen, ein paar Tage bleiben, dann wieder einsteigen und weiterfahren zur nächsten Destination. Da der Bus von Jugi zu Jugi fährt, kennt der Besitzer der Gesellschaft natürlich alle Jugendherbergen-Besitzer - immerhin werden die allermeisten Bustickets direkt in den Herbergen verkauft. Irgendwann hat es sich so eingebürgert, dass BazBus, die Busgesellschaft, jedes Jahr eine Geburtstagsparty schmeisst und alle Jugenherbergen-Besitzer dazu einlädt. Man kriegt ein Busticket gesponsert für die Hin- und Rückreise und wird einen Abend lang prächtig unterhalten, mit Spielen, Musik, gratis Drinks, super Grillade und allem drum und dran. Für die Herbergen-Besitzer wiederum ist es DIE Gelegenheit um Networking zu betreiben, Vitamin B aufzufrischen mit den andern Herbergen-Besitzern und einfach allgemein sehen und gesehen werden. Die Backpacker-Industrie in Südafrika ist eine einzige grosse Familie, man kennt sich, und man übernachtet gratis in anderen Jugendherbergen. Ausserdem sendet man sich gegenseitig Gäste, gibt Empfehlungen ab ... und so ist es wichtig, eine gute Falle zu machen.
So, das ist der Hintergrund. Wir fuhren also nach Cape Town, gratis, alles gratis, um unser Projekt und unser neues Backpackers zu promoten. Fürs Projekt erhoffen wir uns Voluntäre, und fürs Backpackers natürlich Gäste. Die Struktur wird jetzt sein, dass wir drei Tage die Woche am Haus arbeiten, alles etwas aufmotzen, die ersten Gäste empfangen, und Schritt für Schritt das Haupthaus renovieren, und drei Tage die Woche in Manzamnyama am Projekt arbeiten. Das Backpackers ist wichtig für uns, da es uns endlich eine Einkommensquelle beschert - wir haben bisher ja von Ersparten gelebt, oder sonstwo ein paar Pfennige zusammengekratzt, und unsere Unterhaltskosten, vor allem Benzin fürs Auto und für den Generator, meist von Spendengeldern bezahlt. Immerhin verdienen wir ja mit dem Projekt nichts ... und von irgendwas müssen wir auch leben. Falls wir also das Backpackers zum Laufen bringen, können wir damit unseren Lebensunterhalt finanzieren und auch das Projekt unterstützen. Im Moment ist sowieso beides so eng miteinander verknüpft - das Haus und das Projekt - dass es praktisch unmöglich ist, die Finanzen strikte zu trennen.
Mit dem Geld, das ihr im Januar/Februar an den Projektvorträgen oder bei anderen Gelegenheiten gespendet habt, hat Aidan vor allem in Maschendraht und Werkzeuge investiert. Er hat einen Akkubohrer gekauft, der uns das Leben ungemein erleichtert - im Haus wie im Projektaufbau. Eine neue, kleinere Wasserpumpe hat er auch angeschafft, die nun vom kleinen Generator betrieben werden kann und beim Projekt bleibt, plus einen grösseren Generator, fürs Backpackers. Einiges wurde in Benzin für den Landrover investiert, der unermüdlich zwischen dem Wald und dem Dorf hin und her gefahren wurde und Unmengen von Stämmen transportierte (bis die alte Kiste dann irgendwo auf einer löchrigen Strasse ihren letzten Atemzug tat und den Geist aufgab. Das wars dann mit dem Landrover. Jetzt bleibt uns nur noch der Beetle, gottseidank hat Aidan so viel Holz angeschleppt bevor der Landrover endgültig stehenblieb.). Ah ja und dann natürlich noch das Wellblech fürs Dach und Anti-Rost-Farbe um es anzustreichen. Jetzt liegt also alles Material, um das erste Haus fertigzustellen, auf dem Hügel rum - und wir brauchen bloss noch ein paar fleissige Hände, um alles zusammenzusetzen.
Ich war noch nicht viel in Manzamnyama seit ich wieder zurück bin; Mittwoch und Donnerstag diese woche werden wir dort sein und weiter am Projekt arbeiten und den Couch Surf Event für Ostern organisieren. Wir erwarten zwischen 10 - 40 Voluntäre über die Oster-Feiertage, das sollte dem Projekt auch wieder ein bisschen Aufschwung geben! Zudem sind wir mit den Jungs in Pretoria in Kontakt, allen voran Lawrence, die nun aus der Ferne helfen werden, im Dorf alles sauber über die Bühne zu bringen, Sprachbarrieren zu überbrücken und allgemein die Dorfjugend wieder vermehrt zum Mithelfen zu animieren. Sobald ich wieder Internet-Verbindung habe folgen Fotos vom Stand der Dinge in Manzamnyama.
Ah ja, Internet: in unserem neuen Haus haben wir leider NULL Natel-Empfang, wir müssen also immer mit dem Laptop auf dem Schoss in die hinterste Garten-Ecke raus, wo wir dann halbwegs akzeptablen Empfang haben, aber die Internetverbindung ist furchtbar langsam. Also bitte verzeiht mir wenn News nur spärlich folgen, oder mit Verzögerung. :-)
Alles in allem bin ich mehr als froh wieder in Südafrika zu sein, es ist herrlich wieder den ganzen Tag barfuss zu gehen, jeden Tag dreckig zu werden vom gärtern oder bauen oder putzen, immer das Rauschen der Wellen in den Ohren und den Wind in den Haaren. Dieses Jahr wird ein echtes Abenteuer, sehr spannend mit all unseren Projekten, und ich kann den nächsten Tag kaum erwarten. :-)
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